Sonnenbeobachtung

!!!Sehen Sie niemals ohne geeignete Filter in die Sonne!!!

Die Sonne ist das gefährlichste Beobachtungsobjekt. Das Auge kann bereits geschädigt werden, wenn Sie mit bloßem Auge einige Zeit in die Sonne blicken. Allerdings langt mit bloßem Auge die Zeit aus, in der man sich reflexartig abwendet, um Schäden zu verhindern. Anders sieht es jedoch aus, wenn Sie durch ein Fernglas oder Teleskop blicken. Hier wird das Licht gesammelt und verstärkt, sodass es sofort zu bleibenden Schäden kommt. Ein zutreffendes Sprichwort unter Astronomen besagt, dass man mit einem Teleskop ohne Filter nur zweimal in die Sonne blicken kann – einmal mit dem rechten und einmal mit dem linken Auge. Mit dem Fernglas gibt es sogar nur eine Gelegenheit. Der Grund ist zum einen die energiereiche ultraviolette Strahlung der Sonne, die sehr rasch einen Sonnenbrand auf der Netzhaut verursacht – im Gegensatz zu Hautzellen können sich die verbrannten Sehsinneszellen aber nicht regenerieren, sondern bleiben tot. Durch die Infrarotstrahlung wird das Auge zusätzlich noch erhitzt. Da Zellen und Proteine bereits ab etwa 40°C geschädigt werden können und abzusterben beginnen, ist die Gefahr offensichtlich. Bei noch höheren Temperaturen wird das Auge selbst geradezu gekocht, und Proteine fangen an, sich zu zersetzen – ähnlich wie das Eiklar eines Eis in der Bratpfanne zu Eiweiß ausflockt.

Für sichere Sonnenbeobachtung sind daher entweder Objektivsonnenfilter nötig, oder man projiziert das Sonnenbild.

Selbstgebaute Folienfilter aus AstroSolar-Folie zur Sonnenbeobachtung sind zwar empfindlicher als Glasfilter (links), in der optischen Qualität sind sie ihnen aber teilweise sogar überlegen.
Selbstgebaute Folienfilter aus AstroSolar-Folie zur Sonnenbeobachtung sind zwar empfindlicher als Glasfilter (links), in der optischen Qualität sind sie ihnen aber teilweise sogar überlegen.

Spezielle Objektivsonnenfilter (Neutral- oder Graufilter) werden für Ferngläser in der Regel nicht angeboten, allerdings stellt die Firma Baader Planetarium (http://protecsolar.com/) eine beidseitig mit Metallschichten bedampfte Filterfolie her, die für die Herstellung von Teleskopfiltern geeignet ist. Sie lässt nur 0,0001 Prozent des einfallenden Lichts durch. Mit ihr können Sie leicht für jedes Fernglas sichere Objektivfilter bauen. Da die Filter aus einer recht dünnen Folie bestehen, sollten Sie sie vor jedem Einsatz auf kleine Risse oder Löcher untersuchen und bei Nichtgebrauch sicher lagern. Damit sie nicht abfällt, können Sie die Fassung falls nötig mit Klebeband zusätzlich befestigen.

Die Folie ähnelt der Folie, die auch für Sonnenfinsternisbrillen verwendet wird. Trotzdem sollten Sie auf keinen Fall einfach eine Sonnenfinsternisbrille vor das Fernglas halten – der Filter muss das Objektiv vollständig abdecken und darf nicht verrutschen. Da ein Fernglas wie ein Brennglas wirkt, dürfen Sie auch auf keinen Fall eine Finsternisbrille selbst aufsetzen und dann durch das Fernglas sehen – dabei wird sehr schnell ein Loch in die Schutzfolie gebrannt werden.

Es gibt es auch spezielle Sonnenferngläser. Dabei handelt es sich in der Regel um kleine, kompakte Geräte mit fest eingebauten Objektivfiltern. Sie besitzen außerdem meist breite Augenmuscheln, damit man nicht von Streulicht geblendet wird. Diese Ferngläser können nur für die Sonnenbeobachtung benutzt werden.

Durch den Filter ist es nicht ganz einfach, die Sonne überhaupt zu finden – erst, wenn sie in das Gesichtsfeld wandert, kann man überhaupt etwas erkennen.

Jede Art von okularseitigen Filtern, wie man sie von billigen Kaufhausteleskopen kennt, sollte sofort entsorgt werden. Diese Filter befinden sich in der Nähe des Brennpunktes und bekommen die volle Sonnenenergie ab. Dämpfgläser werden dadurch heiß und können springen, genau wie in Finsternisbrillen Löcher gebrannt werden können. In jedem Fall genügt die Zeit nicht, um noch rechtzeitig wegzusehen, bleibende Schäden sind daher vorprogrammiert. Auch Schweißergläser, gefärbte Negativstreifen oder CDs sind als Filter ungeeignet, da sie nur den sichtbaren Teil der Sonnenstrahlung abblocken. Nur Objektivfilter aus speziellen Materialien verhindern, dass überhaupt so viel Energie gesammelt werden kann.

Die Sonnenprojektion ist die sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung, solange niemand durch das Fernglas schaut. Die Blende am Fernglas erhöht den Kontrast und verdeckt ein Objektiv.
Die Sonnenprojektion ist die sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung, solange niemand durch das Fernglas schaut. Die Blende am Fernglas erhöht den Kontrast und verdeckt ein Objektiv.

Am sichersten ist die Sonnenprojektion. Da sich das Fernglas dabei jedoch stark erwärmen und so der Kitt aufweichen kann, mit dem die Okularlinsen befestigt sind, sollten Sie nicht allzulange projizieren und wenn möglich ein Fernglas benutzen, das nicht zu wertvoll ist. Das Problem tritt vor allem auf, wenn keine Nachführung verwendet wird – dann wandert das gebündelte Sonnenlicht rasch vom Okular auf das Gehäuseinnere. Für die Projektion befestigen Sie das Fernglas auf einem Stativ, richten es über den Schattenwurf aus (auch hier gilt: niemals direkt durch das Gerät sehen!) und halten ein weißes Blatt Papier dahinter. Den richtigen Abstand müssen Sie durch Probieren herausfinden.

Vor allem wenn Sie einer Gruppe die Sonne zeigen, müssen Sie achtgeben, dass niemand aus Versehen durch das Fernglas sieht, während es auf die Sonne gerichtet ist (das gilt ebenso für kleine Kinder und Haustiere wie für besserwisserische Mitmenschen, die die Sache für harmlos halten) – lassen Sie es also nie unbeaufsichtigt stehen.

Die Sonne im Weißlicht: Links fast ohne Flecken am 28. Mai 2004, rechts am 17. Juni 2004. Die Farbunterschiede stammen von den verwendeten Filtern: Die linke Aufnahme wurde mit einer Webcam durch ein Teleobjektiv mit Filterfolie aufgenommen, die rechte durch einen Refraktor mit Glasfilter. Der weiße Kreis hat den Durchmesser der Erde im selben Maßstab.
Die Sonne im Weißlicht: Links fast ohne Flecken am 28. Mai 2004, rechts am 17. Juni 2004. Die Farbunterschiede stammen von den verwendeten Filtern: Die linke Aufnahme wurde mit einer Webcam durch ein Teleobjektiv mit Filterfolie aufgenommen, die rechte durch einen Refraktor mit Glasfilter. Der weiße Kreis hat den Durchmesser der Erde im selben Maßstab.

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