Schwan

Der Schwan fliegt als „Kreuz des Nordens“ entlang der Milchstraße, sein Schwanzstern Deneb gehört zu den Sternen des Sommerdreiecks. Deneb ist ein 1800 Lichtjahre entfernter Überriese mit der 17 000-fachen Leuchtkraft der Sonne. Beim Blick in den Schwan sehen wir tief in unseren Spiralarm der Milchstraße hinein, den Orion-Cygnus-Arm.

β Cygni (Albireo) gehört vor allem im Teleskop zu den beeindruckendsten Doppelsternen, da man sehr schön den Farbkontrast zwischen dem gelben, 3,1m hellen Hauptstern und seinem 4,6m hellen, bläulichen Begleiter erkennen kann. Im Fernglas sind die beiden 34 Bogensekunden auseinander stehenden Sterne nicht ganz so eindrucksvoll zu trennen. Beide Sterne sind 380 Lichtjahre entfernt und stehen 4400 AE auseinander, was etwa dem 55-fachen Durchmesser des Sonnensystems entspricht. Ob sie ein physisches Doppelsternsystem bilden, ist noch unklar. Der hellere Stern ist zusätzlich ein spektroskopischer Doppelstern.

Zwischen α und δ Cygni liegt mit ο¹ Cygni (31 Cygni) ein optischer Dreifachstern, der wie Albireo einen hübschen Farbkontrast zeigt. Im Zentrum steht der orangefarbene 31 Cygni, ein 3,8 bis 4,2m heller Bedeckungsveränderlicher in 1350 Lichtjahren Entfernung. Sein unsichtbarer Begleiter umkreist einmal in 10,42 Jahren. 107 Bogenminuten südlich von ihm steht ein 7,0m heller Stern, der bläulich erscheint. Er steht in 1720 Lichtjahren Entfernung. 338 Bogensekunden nördlich von 31 Cygni befindet sich 4,8m heller Stern, der türkisfarben erscheint. Er ist nur 720 Lichtjahre entfernt.

61 Cygni ist ein eher unauffälliger Doppelstern aus zwei orangefarbenen Zwergsternen. Ab zehnfacher Vergrößerung können Sie einen 5,2 und einen 6,0m hellen Stern erkennen. Sie umkreisen einander wohl einmal in 653 Jahren. Zu dem System gehört außerdem noch ein brauner Zwergstern.

61 Cygni ist vor allem von historischem Interesse: 1838 gelang Friedrich Bessel an ihm die erste Parallaxenmessung. Innerhalb eines halben Jahres pendelt seine Position gegenüber den weiter entfernten Hintergrundsternen um 0,3 Bogensekunden. Der Grund dafür ist die Bewegung der Erde um die Sonne, die zu einer Verschiebung der Perspektive führt. Aus dieser Verschiebung konnte Bessel zum ersten Mal die Entfernung eines Sterns bestimmen. Bessel errechnete eine Entfernung von 10,3 Lichtjahren, moderne Messungen liefern einen Wert von 11,4 Lichtjahren. Damit ist 61 Cygni der viertnächste Stern, der mit bloßem Auge beobachtet werden kann.

Harrington 10 ist ein 3 × 10 Grad großer Dunkelnebel, der auch mit bloßem Auge als gerade, dunkle Linie sieben Grad nördlich von Deneb zu sehen ist. Im Fernglas, das weit mehr Milchstraßensterne zeigt, wirkt er beeindruckender, allerdings lassen sich erst im Großfernglas erste Details an seinem Rand erkennen.

M39 ist ein offener Sternhaufen in 830 Lichtjahren Entfernung. Etwa 25 Sterne bilden ein weites Dreieck 10 Grad nordöstlich von Deneb, das vor den schwächeren Feldsternen einen schönen Anblick bietet. Der hellste Stern ist 7,0m hell, die Gesamthelligkeit der 200 Millionen Jahre alten Gruppe liegt bei 4,6m. Damit ist er schon für das bloße Auge als Nebel zu erkennen – die älteste Erwähnung stammt von Aristoteles aus dem Jahr 325 vor Christus.

Der Nordamerikanebel (NGC 7000) ist mit einer Größe von 2,5 × 3 Grad für die meisten Teleskope viel zu ausgedehnt, im Fernglas ist er hingegen gut sichtbar. Allerdings hat er eine geringe Flächenhelligkeit, sodass er nur schwer vom Himmelshintergrund und den Milchstraßensternen zu unterscheiden ist. Wenn man weiß, wo er sich befindet, ist er aber auch für das bloße Auge erahnbar. Er wurde erst 1786 von William Herschel entdeckt. Seine Form erinnert an den nordamerikanischen Kontinent. Es handelt sich um einen wahrscheinlich 2000 Lichtjahre entfernten Emissionsnebel, der wohl durch den drei Grad entfernten Deneb zum Leuchten angeregt wird.

Der Nördliche Kohlensack (Lynds 906) ist der größte Dunkelnebel am Nordhimmel und entspricht dem 2,5 Grad breiten Nordende der großen Teilung unserer Milchstraße.