Stier

Als Stier ist dieses Sternbild wahrscheinlich bereits seit 6500 Jahren bekannt. Aldebaran symbolisiert das Auge des Stiers, seine Hörner enden bei den Sternen β und ζ Tauri. β Tauri steht exakt auf der Grenze zum Fuhrmann, wo er als γ Aurigae bezeichnet wird.

T Tauri befindet sich 1,5 Grad westlich von ε Tauri oberhalb der Hyaden. Wenn der Stern hell genug ist, kann man ihn recht gut finden, häufig ist er jedoch zu lichtschwach für das Fernglas. Trotzdem ist er einen Blick wert: T Tauri ist der Namensgeber einer Klasse von sehr jungen Sternen, bei denen die Kernfusion noch unregelmäßig abläuft. Seine Helligkeit schwankt unregelmäßig zwischen 8,4 und 13,5m. Er beleuchtet den nur im Teleskop sichtbaren NGC 1555, aus dem er auch entstanden ist. Dieser Nebel ist als „Hinds veränderlicher Nebel“ bekannt, sowohl seine Form als auch seine Helligkeit ändern sich immer wieder.

Im englischen Sprachraum ist M1 als Crab-Nebel bekannt, im Deutschen wird er eher als Krebsnebel statt als Krabbennebel bezeichnet. Im Fernglas ist er ein kleines, 4 × 6 Bogenminuten großes Scheibchen 67 Bogenminuten nordwestlich von ζ Tauri. Es handelt sich um den Überrest der Supernova, die erstmals am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen beobachtet wurde und mehrere Monate lang sogar am Taghimmel zu beobachten war. Die Gasschichten, die damals abgestoßen wurden, dehnen sich noch heute mit 1500 Kilometern pro Sekunde aus, der Stern selbst ist zu einem nur zehn Kilometer großen Neutronenstern kollabiert. Dieser Pulsar ist für Radioastronomen das vierthellste Objekt am Radiohimmel.

Die Plejaden tragen die Katalogbezeichnung M45 und sind einer der eindrucksvollsten Strernhaufen für das Fernglas. Im Volksmund sind sie als Siebengestirn bekannt, was wohl auf alte Zahlenmagie zurückgeht: Wenn es dunkel genug ist, um den siebten Plejadenstern zu erkennen, kann man auch den achten erkennen. Bis zu zehn Sterne sind unter guten Bedingungen zu erkennen, erfahrene Beobachter wollen auch schon bis zu 18 Sterne erkannt haben. Gelegentlich wird spekuliert, ob früher einer der Sterne dunkler war und manchmal wirklich nur sieben Sterne zu erkennen waren, allerdings berichten auch alte chinesische Texte von mehr als sieben Sternen.

Die Plejaden sind ein sehr ausgedehnter Sternhaufen, um den das schwache Schimmern eines Reflexionsnebels erahnbar ist.
Die Plejaden sind ein sehr ausgedehnter Sternhaufen, um den das schwache Schimmern eines Reflexionsnebels erahnbar ist.

Die neun hellsten Plejadensterne verteilen sich auf ein Gebiet von einem Grad Durchmesser, was dem doppelten Vollmonddurchmesser entspricht. Bei Begegnungen mit dem Mond wird die enorme Ausdehnung der Plejaden deutlich. Der reale Durchmesser dürfte bei sieben Lichtjahren liegen, allerdings ist der genaue Abstand der Plejaden nicht bekannt: Der Satellit Hipparcos lieferte eine Entfernung von nur 360 Lichtjahren, neuere Messungen deuten dagegen auf rund 440 Lichtjahre hin, was mit älteren Messungen besser übereinstimmt. Da auf der Entfernung von Sternhaufen wie den Plejaden auch die Messung ferner Objekte beruht, ist die genaue Entfernung dieses Sternhaufens besonders interessant. Nur drei weitere Sternhaufen sind uns noch näher: Collinder 285 (der Große Wagen, 70 Lichtjahre), die Hyaden (150 Lichtjahre) und der Coma-Sternhaufen (260 Lichtjahre).

Der Gesamtdurchmesser der Plejaden dürfte bei 40 Lichtjahren liegen, der 80 bis 100 Millionen Jahre alte Sternhaufen ist also etwa fünfmal größer als sein auffälliger Kernbereich. Etwa 300 Sterne gehören zu den Plejaden. Unter guten Bedingungen kann man rund um die helleren Plejadensterne einen Nebel erkennen. Dabei handelt es sich um einen Reflexionsnebel, den die Plejaden gerade passieren, und nicht um Überreste des Entstehungsnebels, wie gelegentlich noch in älterer Literatur zu lesen ist. Um ihn erfolgreich zu beobachten, benötigen Sie auf jeden Fall eine saubere Optik – ansonsten sehen Sie um alle helleren Sterne einen leichten Nebel.

NGC 1746 hat zwar eine Katalogbezeichnung und ist schon für das bloße Auge als 40 Bogenminuten großen Nebelfleck zu erkennen, trotzdem existiert dieser Sternhaufen nicht: Es handelt sich um einen „optischen Doppelsternhaufen“. Er besteht aus dem 28 Bogenminuten großen NGC 1750 in 1640 Lichtjahren Entfernung und dem acht Bogenminuten großen NGC 1758 in 2200 Lichtjahren Entfernung. Durch reinen Zufall scheinen die beiden Sternhaufen einander zu überlappen, obwohl sie genau wie ein optischer Doppelstern nur zufällig auf der selben Blicklinie stehen. Solche Fehler sind in astronomischen Katalogen recht häufig, auch deshalb ist es im Allgemeinen sinnvoller, von Einträgen statt von Objekten in Katalogen zu sprechen.

Mit einem Durchmesser von 5,5° sprengen die Hyaden das Gesichtsfeld jedes Teleskops, im Fernglas füllen sie das Bildfeld mit einer Vielzahl von Sternen. Zurzeit ist dieser offene Sternhaufen nur 150 Lichtjahre entfernt, aber bereits in 50 Millionen Jahren wird er nur noch im Teleskop sichtbar sein – durch die Drehung der Galaxis und die Eigenbewegung der Sterne wird er dann nur noch 20 Bogenminuten groß erscheinen. Das V-förmige Zentrum hat einen Durchmesser von acht Lichtjahren. Da auch weiter entfernte Sterne wie κ, ι und υ zu den Hyaden gehören, liegt der Gesamtdurchmesser bei mehr als 60 Lichtjahren. Die Hyaden entstanden vor 400 bis 700 Millionen Jahren.

Die Hyadensterne scheinen sich alle auf Betelgeuze im Orion zuzubewegen, wobei es sich natürlich um einen Projektionseffekt handelt. Noch etwa 100 weitere Sterne, die für das bloße Auge sichtbar sind, bewegen sich in die selbe Richtung wie die Hyadensterne. Sie bilden den Hyadenstrom und haben einen gemeinsamen Ursprung in einer einzigen, ausgedehnten Gaswolke. Das mittlere Alter dieser Sterne liegt bei 600 Millionen Jahren, sodass er seit seiner Entstehung die Galaxis bereits dreimal umrundet hat. Zu den Mitgliedern des Hyadenstroms gehört unter anderem der Sternhaufen M44 im Krebs (die „Krippe“), aber auch Capella im Fuhrmann und Cor Caroli, der hellste Stern im Sternbild Jagdhunde.

Unsere wesentlich ältere Sonne befindet sich nur zufällig inmitten der Sterne des Hyadenstroms. Auch Aldebaran (α Tauri) gehört weder zum Hyadenstrom noch zu dem Sternhaufen der Hyaden, obwohl der hellste Stern des Stiers mitten in dem Sternhaufen zu stehen scheint. Es handelt sich stattdessen um einen roten Riesen in nur 65 Lichtjahren Entfernung. Dieser alte Stern hat den vierzigfachen Sonnendurchmesser, seine Position verändert sich innerhalb eines Jahrtausends um 3,5 Bogenminuten.