Vorwort

Das Fernglas ist ein häufig unterschätztes Gerät für die Astronomie, das öfter von erfahrenen Beobachtern eingesetzt wird als von Einsteigern in die Astronomie. Dementsprechend wenig Literatur gibt es auch darüber, was man in der Himmelsbeobachtung mit einem Fernglas erreichen kann – die meisten Objektlisten erwähnen es nur am Rande und konzentrieren sich eher auf die großen, lichtstarken Geräte, die in den letzten Jahren immer günstiger geworden sind.

Dieses Buch richtet sich an alle, die die Grundlagen der Astronomie bereits kennen. Die Unterschiede zwischen Planeten und Sternen sind ebenso wie die Grundlagen der Himmelsmechanik in vielen Büchern ausführlicher beschrieben worden, als es im Rahmen dieses Buches möglich ist. Wer mit dem Fernglas beobachten will, sollte sich am Himmel bereits einigermaßen auskennen – zumindest ein paar der wichtigsten Sternbilder sollten Sie mit Hilfe einer drehbaren Sternkarte identifizieren können.

In diesem Buch liegt der Schwerpunkt daher darauf, was man mit einem Fernglas beobachten kann, was man eigentlich sieht und wie man es am besten erkennen kann. Der erste Teil des Buchs stellt das Fernglas vor, die Beobachtungstechniken und welchen Anblick man von den verschiedenen Objektklassen erwarten kann. Der größte Teil des Buchs widmet sich den schönsten Objekten, die in der Reichweite des Fernglases liegen. Ausgewählt wurden sowohl die Ziele, die eigentlich nur im Fernglas gut zu beobachten sind, als auch etwas anspruchsvollere Objekte. Außerdem wurden Hintergrundinformationen aufgenommen, da das Wissen, was man eigentlich sieht, viel zu dem Beobachtungserlebnis beiträgt.

Da der Sprung von der Beobachtung mit dem bloßen Auge zur Beobachtung mit dem Fernglas etwa dem Sprung von der Beobachtung mit einem Fernglas zur Beobachtung mit einem Teleskop mit zehn bis vierzehn Zoll Öffnung entspricht, empfehle ich jedem, sich für einen intensiveren Blick in den Himmel zuerst mit einer Volkssternwarte in der Nähe in Verbindung zu setzen. Dort kann man nicht nur durch meist hervorragende Geräte sehen, sondern sich auch mit anderen Interessierten treffen – der gemeinsame Erfahrungsaustausch hilft über viele Anfangsprobleme hinweg.

Der Blick durch ein gutes Teleskop dämpft auch die Erwartungen, die durch hervorragende Astroaufnahmen in Bildbänden geweckt werden: Im Teleskop erscheinen alle Objekte schwarz-weiß. Um einen Eindruck zu vermitteln, wurden für dieses Buch daher auch nicht die eindrucksvollsten Aufnahmen ausgewählt, sondern eher unscheinbare Bilder. Soweit nicht anders angegeben, haben alle Bilder von Deep-Sky-Objekten eine Kantenlänge von etwa 1,5 bis 2,5 Grad, was etwa der Hälfte bis einem Drittel des Gesichtsfeldes eines Fernglases entspricht.

Ansonsten bleibt mir nur, Ihnen viel Spaß und viele klare Nächte zu wünschen. Vergessen Sie nicht, dass man Beobachten wie alles andere üben muss und im Lauf der Zeit immer besser wird. Einen Einstieg finden Sie auf den folgenden Seiten, die Erfahrung müssen Sie selbst sammeln.

im August 2012
Alexander Kerste