Orion

Der Orion ist das auffälligste Wintersternbild und als Krieger, Hirte oder Gigant seit Jahrtausenden bekannt. Er wurde unter anderem mit dem ägyptischen Gott Osiris und dem sumerischen König Gilgamesch gleichgesetzt. Das Sternbild stellt einen breitschultrigen Mann dar. Die Sterne δ, ζ und ε werden meist als Gürtelsterne bezeichnet, die weniger gebräuchliche Bezeichnung „Jakobsstab“ erinnert an ein altes Gerät zur Himmelsvermessung. Unterhalb der Gürtelsterne befinden sich die Sterne des Schwertgehänges, in denen Sie bereits mit bloßem Auge das Schimmern des großen Orionnebels erkennen können. Im Westen des Sternbildes bilden die Sterne π1 bis π6 einen weiten Bogen, Orion ist also mit Pfeil und Bogen bewaffnet. In anderen Kulturkreisen wird das auffällige Sternbild aber auch als Pflug, Schmetterling oder Boot gedeutet.

Der Orionnebel ist der auffälligste Emissionsnebel am Himmel. Er markiert den aktiven Teil eines Sternentstehungsgebietes, das quer durch einen riesigen Gasnebel wandert, der ausgedehnter als das gesamte Sternbild ist. Anhand des Alters der Sterne lässt sich der Weg der Sternentstehung nachverfolgen: Rigel (β Orionis) entstand vor zwölf Millionen Jahren, die Gürtelsterne sind etwa acht Millionen Jahre alt und die Sterne des Schwertgehänges entstanden vor etwa sechs Millionen Jahren. Die Sterne in der Nähe des Orionnebels sind nur etwa zwei Millionen Jahre alt.

Die Gürtelsterne markieren außerdem ziemlich genau den Himmelsäquator, also die Verlängerung der Ebene des irdischen Äquators.

α Orionis wird durch einen Schreibfehler in einem alten Sternatlas vor allem in Deutschland auch als Beteigeuze bezeichnet, die Schreibweise Betelgeuze ist älter und stammt aus dem Arabischen. Übersetzt bedeutet er „Schulterstern des Riesen“. Der 430 Lichtjahre entfernte Stern ist ein roter Überriese mit dem fünfhundert- bis achthundertfachen Sonnendurchmesser und der zehnfachen Sonnenmasse. Er ist aufgrund seiner Größe nicht stabil: Mit einer Periode von etwa 2300 Tagen ändert sich nicht nur sein Durchmesser, sondern auch seine Helligkeit. Betelgeuze ist 0,4 bis 1,3m hell, mangels geeigneter Vergleichssterne lässt sich eine Lichtkurve aber nur schwer erstellen. Der Stern ist uns etwas näher als die jüngeren Sterne der Orion-Assoziation, allerdings ist nicht klar, ob er nur sehr früh entstanden ist oder völlig unabhängig von den jüngeren Sternen entstand.

Der 770 Lichtjahre entfernte β Orionis (Rigel) ist mit 0,3m der siebthellste Stern am Himmel. Wenn dieser 12 Millionen Jahre alte Überriese nur so weit entfernt wäre wie Sirius, wäre er -10m hell, was einem Fünftel der Helligkeit des Vollmonds entspricht.

δ Orionis wird auch als Mintaka (Gürtel) bezeichnet und ist ein physischer Doppelstern. 52 Bogensekunden liegen zwischen dem 2,2m hellen Hauptstern und seinem 6,9m hellen Begleiter. Beide Sterne erscheinen rein weiß. Die zwei Sonnen sind etwa ein drittel Lichtjahr voneinander und rund tausend Lichtjahre von der Erde entfernt. Der hellere Stern ist ein spektroskopischer Doppelstern. Zu dem System gehören noch zwei weitere Mitglieder, die für ein Fernglas jedoch zu lichtschwach sind.

Der große Orionnebel (M42/M43) ist das Paradeobjekt des Winterhimmels und schon für das bloße Auge als Nebelfleck im Schwertgehänge des Orion zu erkennen. Trotzdem wurde der 15 bis 30 Lichtjahre große Emissionsnebel erst 1611 zum ersten Mal beschrieben. Er ist der hellste Bereich eines gigantischen Nebelkomplexes, der sich noch über das Sternbild Orion hinaus erstreckt. Der Nebel ist ein aktives Sternentstehungsgebiet und wird durch junge, heiße Sterne zum Leuchten angeregt. Die jüngsten Sterne sind vor 100 000 Jahren entstanden und verraten sich nur durch ihre Infrarotstrahlung. Die Sterne, die wir in den Nebel eingebettet sehen, sind etwa vor einer Million Jahren entstanden. Ihr auffälligster Vertreter ist θ Orionis, der Trapezstern. Ab etwa zwölffacher Vergrößerung kann man ihn in vier Sterne auflösen.

Der Große Orionnebel (M 42/M 43).
Der Große Orionnebel (M 42/M 43).

M42 ist der größere und hellere Bereich des Nebels. M43 ist kleiner und rundlich, er wird meist nicht als separater Nebel wahrgenommen. Der sichtbare Bereich des Orionnebels ist 1300 bis 1900 Lichtjahre entfernt und enthält noch genügend Masse für 10 000 Sterne von der Größe unserer Sonne. Der Nebel selbst ist sehr dünn, ein Kubikmeter enthält nur etwa eine Milliarde Atome.

M78 ist ein nur acht Bogenminuten großer Reflexionsnebel, der einen 9m hellen Doppelstern umgibt. Dadurch erinnert er an einen schwachen Kometen mit zwei Kernen. Zumindest im 10 × 50 ist er unter guten Bedingungen recht gut zu erspähen und somit einer der wenigen Reflexionsnebel, die in der Reichweite eines Fernglases sind. Er befindet sich 2,5° nordöstlich von ζ Orionis und etwas mehr als 3,5 Grad östlich von δ Orionis. Der Nordrand des Nebels erscheint scharf abgegrenzt, während der Süden langsam und unregelmäßig verblasst.

Collinder 65 ist ein über zwei Grad großer Sternhaufen aus Sternen zwischen sechster und achter Größe, der an der Grenze zum Stier liegt – seine Mitglieder liegen beiderseits der Sternbildgrenze. Durch seine große Ausdehnung erinnert er eher an ein reiches Sternenfeld als an einen Sternhaufen und ist ein ideales Ziel für das Fernglas.

Rund um λ Orionis erstreckt sich Collinder 69, ein 1600 Lichtjahre entfernter Sternhaufen, von dem etwa 20 Sterne im Fernglas sichtbar sind. Er hat einen Durchmesser von etwa einem Grad.
Zu Collinder 70 gehören unter anderem die Gürtelsterne des Orion, sodass er leicht zu finden ist. Die Entscheidung, welche Sterne noch zu dem drei Grad großen Sternhaufen gehören, ist jedoch schwerer. Insgesamt enthält er etwa 100 Sterne, die heller als 10m sind.