Leier

Die Leier mit dem hellen Hauptstern Wega ist ein kleines aber markantes Sternbild. Die Deep-Sky-Objekte in der Leier sind vor allem im Teleskop reizvoll, dafür bieten die hellen Sterne einiges für das Auge.

α Lyrae (Wega) ist nur 25 Lichtjahre entfernt und ein sehr junger Stern, der noch von einer Staubscheibe umgeben ist, aus der sich vielleicht ein Planetensystem bildet. Mit 0,03m ist Wega der fünfthellste Stern am Himmel. Vor 12 000 Jahren befand sich der nördliche Himmelsnordpol in der Nähe der Wega, durch die Taumelbewegung der Erdachse (die Präzession) liegt er jetzt in der direkten Nähe des heutigen Polarsterns im Kleinen Wagen. Wega war der erste Stern, der fotografiert wurde: Das erste Astrofoto wurde in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1850 am Harvard-Observatorium aufgenommen. Die Aufnahme wurde 100 Sekunden lang durch ein 15-Zoll-Teleskop belichtet.

β Lyrae (Sheliak) gehört zu den Sternen, die am besten erforscht sind. Im Fernglas kann man deutlich zwei Sterne erkennen, die 46 Bogensekunden voneinander getrennt sind. Der dunklere Stern ist konstant 6,7m hell, während der hellere Stern zu den bemerkenswertesten Bedeckungsveränderlichen gehört. Innerhalb von 12,94 Tagen sinkt seine Helligkeit zweimal von 3,3m auf 3,8m und 4,1m ab. Anhand des ebenfalls 3,3m hellen γ Lyrae kann man den Lichtwechsel gut erkennen. β¹ besteht aus zwei Sternen mit fünfzehn- und neunzehnfachem Sonnendurchmesser, zwischen denen nur 35 Millionen Kilometer liegen. Dadurch überlappen sich die Atmosphären der beiden Sterne, die deshalb elliptisch verzerrt werden. Außerdem tauschen sie gegenseitig Materie aus, wodurch sich die Periode verlangsamt. Die Lichtkurve erscheint durch die Verformung der Sterne abgerundet.

Zu dem 880 Lichtjahre entfernten β-Lyrae-System gehören noch vier weitere Sterne, die im Fernglas unsichtbar bleiben.

δ Lyrae ist ein optischer Doppelstern. 10,5 Bogenminuten neben einem 5,6m hellen und 1080 Lichtjahre entfernten bläulichweisen Stern befindet sich ein etwa 900 Lichtjahre entfernter roter Riese. Dieser rote Riese verändert seine Helligkeit regelmäßig, sie liegt zwischen 4,5 und 6,5m. Der Farbkontrast zwischen den beiden Sternen ist auffällig. Ein Blick in die nähere Umgebung lohnt sich ebenfalls: Das Sternpaar markiert den offenen Sternhaufen Stephenson 1, der auch als δ-Lyrae-Gruppe bezeichnet wird. Der 1000 Lichtjahre entfernte Sternhaufen hat einen Durchmesser von etwa 20 Bogenminuten, was sechs Lichtjahren entspricht. Er ist mit 50 Millionen Jahren etwa so alt wie die Plejaden und bietet vor allem in lichtstarken Ferngläsern einen hübschen Anblick.

ε Lyrae ist auf jedem Beobachtertreffen ein beliebtes Objekt, um das Auflösungsvermögen kleinerer Teleskope zu demonstrieren. ε¹ und ε² stehen 208 Bogensekunden auseinander, was etwa der Auflösungsgrenze des bloßen Auges entspricht. ε¹ ist der nördlichere der beiden Sterne, die mit 5,0 und 5,2m annähernd gleich hell sind. ε Lyrae ist 160 Lichtjahre entfernt, die beiden Sterne sind also 0,2 Lichtjahre voneinander getrennt.

Im Teleskop können Sie ab etwa hundertfacher Vergrößerung erkennen, dass jeder der beiden Sterne noch einen engen Begleiter hat. Als Vierfachstern in der Leier oder als „Double Double“ gehört er zu den bekanntesten Doppelsternen und wird immer wieder gerne als Testobjekt für kleine Teleskope genutzt. Der hellste Stern könnte sogar ein spektroskopischer Doppelstern sein, allerdings ist das noch nicht sicher.

ζ Lyrae ist ein physischer Doppelstern, dessen Sterne 44 Bogensekunden auseinanderstehen. Er kann bereits mit siebenfacher Vergrößerung leicht getrennt werden. ζ Lyrae steht in 155 Lichtjahren Entfernung, die beiden Einzelsterne sind 4,4 und 5,6m hell.

Der Ringnebel M57 bleibt im Fernglas ein unscheinbares Sternchen zwischen γ (links) und β Lyrae (rechts). Erst im Teleskop erscheint er als Rauchring.
Der Ringnebel M57 bleibt im Fernglas ein unscheinbares Sternchen zwischen γ (links) und β Lyrae (rechts). Erst im Teleskop erscheint er als Rauchring.

Das berühmteste Objekt in diesem Sternbild ist M 57, der Ringnebel in der Leier. Er ist im Fernglas bestenfalls als unauffälliges, 9,0m helles Sternchen zu erkennen, erst ab fünfzehnfacher Vergrößerung erscheint er allmählich flächig. Obwohl er zu den zu den schönsten planetarische Nebel gehört, die man im Teleskop beobachten kann, ist er auch in großen Ferngläsern bestenfalls ein schwieriges Objekt – die notwendige Vergrößerung liefert erst ein Teleskop. Die 1800 Lichtjahre entfernte Sternleiche ist nur etwa eine Bogenminute groß und liegt leicht südlich der Verbindungslinie von β und γ Lyrae. Der wirkliche Durchmesser von M 57 beträgt ein halbes Lichtjahr, wobei der Nebel sich mit etwa 18 km/s ausdehnt. Er entstand vor etwa 20 000 Jahren.

Der fünf Bogenminuten große Kugelsternhaufen M 56 ist etwas einfacher zu beobachten als M 57 und erscheint als 8,3m heller, strukturloser Lichtfleck. Er liegt etwa auf halber Höhe zwischen β Cygni (Albireo) und γ Lyrae in einer sternreichen Region. 32 000 Lichtjahre trennen uns von ihm.