Alternative Spektiv

Eine interessante Alternative zum Fernglas mit seiner geringen Vergrößerung und zum aufwendigen und sperrigen Teleskop sind Spektive. Dabei handelt es sich im Prinzip um ein einfaches Teleskop, das für die Erdbeobachtung gedacht ist. Dazu ist ein bildaufrichtendes Prisma fest in das Gerät eingebaut, sodass das Bild anders als im astronomischen Teleskop aufrecht und seitenrichtig ist.

In der Regel haben Spektive Zoom-Okulare für Vergrößerungen zwischen etwa 10x und 70x. Bei vielen Geräten können Sie zwar auch andere Okulare einsetzen, allerdings machen bei der Naturbeobachtung höhere Vergrößerungen dank der Luftunruhe nur selten Sinn. Das Bild flimmert zu sehr, wenn der Erdboden sich durch die Sonnenstrahlung erwärmt hat und warme Luft nach oben steigt. Außerdem werden mit zunehmender Vergrößerung auch die Bildfehler auffälliger. Bei Spektiven werden gerne so genannte achromatische Objektive verbaut. Diese zeigen einen mehr oder weniger auffälligen Farbfehler, der sich als Blausaum bemerkbar macht. Er ist umso auffälliger, je kürzer die Brennweite im Verhältnis zur Öffnung ist. Ein Gerät mit 80 mm Öffnung und 480 mm Brennweite wird einen auffälligeren Farbfehler zeigen als eines mit 80 mm Öffnung und 900 mm Brennweite. Geräte mit ED-Optik oder apochromatischen Objektiven zeigen keinen Farbfehler, kosten bei gleicher Öffnung aber gleich ein Vielfaches der einfacheren Modelle.

Ein Spektiv kann eine interessante Alternative zum Fernglas sein, erfordert aber auf jeden Fall ein ausreichend hohes und stabiles Stativ.
Ein Spektiv kann eine interessante Alternative zum Fernglas sein, erfordert aber auf jeden Fall ein ausreichend hohes und stabiles Stativ.

Besonders praktisch und komfortabel sind Geräte mit Schrägeinblick. Für die Naturbeobachtung benötigen Sie kein so hohes Stativ, und beim Blick in den Nachthimmel müssen Sie nicht unter das Spektiv kriechen. Ein stabiles Stativ benötigen Sie aber auf jeden Fall.

Durch die höhere Vergrößerung können Sie deutlich erkennen, ob Sie einen Stern oder einen Planet anvisiert haben, und viele Sternhaufen erscheinen deutlich besser aufgelöst und nicht nur als Nebelflecken. Zum Ausgleich dafür fällt die Orientierung am Himmel etwas schwerer, da das Gesichtsfeld kleiner ist. Häufig haben Spektive entweder keinen Sucher oder nur ein Peilrohr. Das funktioniert bei der Erdbeobachtung wunderbar, da man sich an der Natur gut orientieren kann. Bei der Himmelsbeobachtung wird es dagegen schon problematischer, da im Okular alle Sterne zunächst gleich aussehen.

Achten Sie beim Kauf auch auf das Gesichtsfeld und Einblickverhalten des Okulars. Brillenträger – das gilt auch für Sonnenbrillenträger, schließlich dienen die Geräte ja eigentlich der Naturbeobachtung – sollten auf ca. 20 mm Augenabstand und umklappbare Augenmuscheln achten. Ein größeres Gesichtsfeld der Okulare verhindert einen Tunnelblick – man hat dann nicht das Gefühl, durch eine enge Röhre zu blicken. Einige Okulare neigen zu Kidney-Beaning: Dabei treten am Bildfeldrand schwarze bohnenförmige Flecken auf, wenn Ihr Auge nicht genau auf der optischen Achse des Spektivs liegt.

Bei Spektiven kann es praktisch sein, wenn das mitgelieferte Okular durch ein besseres ersetzt werden kann. Die Adaption erfolgt dann in der Regel über ein Schraub- oder Bajonettgewinde, anders als bei Teleskopen.
Bei Spektiven kann es praktisch sein, wenn das mitgelieferte Okular durch ein besseres ersetzt werden kann. Die Adaption erfolgt dann in der Regel über ein Schraub- oder Bajonettgewinde, anders als bei Teleskopen.

Bei vielen Spektiven lässt sich das Okular auch tauschen. So können zum Beispiel mit Wechselokularen höhere Vergrößerungen erzielt oder auch Zoom-Okulare von höherer Qualität oder mit größerem Gesichtsfeld eingesetzt werden. Die Fokuslage bei Spektiven ist allerdings enger als bei astronomischen Teleskopen, daher funktioniert nicht jedes Okular an jedem Spektiv.

Damit ist das Spektiv ein Mittelding zwischen dem flexiblen Teleskop mit seinem umfangreichen Zubehör und dem Fernglas, das man immer dabei haben kann, dabei jedoch auf eine Vergrößerung festgelegt ist. Was Ihnen am meisten zusagt, müssen Sie selbst entscheiden und hängt auch davon ab, wofür Sie das Gerät noch verwenden wollen.