Schütze

Das Sternbild Schütze steigt in unseren Breiten leider nie besonders hoch über den Horizont. Neben dem Zentrum der Milchstraße enthält es eine Vielzahl schöner Ziele, die nur kurze Zeit während der Sommermonate beobachtet werden können. Der Zentralbereich des Sternbildes  wird vor allem in Nordamerika häufig als Teekanne gedeutet.

Der 30 × 45 Bogenminuten große Lagunennebel M8 ist im Fernglas gut zu erkennen, wenn der Himmelshintergrund ausreichend dunkel ist. Der westliche Teil des Nebels wird durch den 6,0m hellen Stern 9 Sagittarii beleuchtet, der so hell ist wie 1,6 Millionen Sonnen. Im Ostteil des Nebels kann man einige Sterne siebter bis neunter Größe erkennen, die zu dem offenen Sternhaufen NGC 6530 gehören. Ob der 5200 Lichtjahre entfernte Sternhaufen im Lagunennebel oder davor steht, ist noch unklar, da die Entfernungsmessung bei Nebeln schwierig ist.

M17 trägt auch die Namen Omega-, Hufeisen- und Schwanennebel. Der 6800 Lichtjahre entfernte Nebel erinnert vor allem im Großfernglas an die Ziffer 2, bereits in einem kleineren Fernglas ist er aber zu erspähen. Er wird im Norden und Westen durch Dunkelwolken scharf begrenzt, während seine anderen Ränder weniger klar definiert sind. Die Dunkelwolke in seinem Zentrum wird gelegentlich als Fischmaul bezeichnet.

Ein Grad südlich des Omeganebels befindet sich M18, ein eher unauffälliger offener Sternhaufen mit nur neun Bogenminuten Durchmesser, von dem nur die vier hellsten Sterne aufgelöst werden können. Die übrigen Sterne des 50 Millionen Jahre alten Sternhaufens verschwimmen zu einem schwachen Schimmern. Er ist 4100 Lichtjahre entfernt und befindet sich in dem Zwischenraum zweier Spiralarme, kurz vor dem Sagittarius-Carina-Arm.

Der Trifidnebel M20 ist nur unter optimalen Bedingungen als 30 Bogenminuten großes, schwaches Schimmern zu erkennen. Die namensgebende Dreiteilung ist im Fernglas aber nicht zu erkennen. Der südliche Teil des Nebels ist ein Emissionsnebel und der eigentliche Trifidnebel. Im Norden schließt einer der wenigen Reflexionsnebel an, die hell genug sind, um im Fernglas sichtbar zu sein.

M20 liegt am Ende eines Dunkelnebelkomplexes, der den Lagunennebel M8 umgibt. In den Trifidnebel sind die Sterne von Webb’s Kreuz eingebettet, einem kleinen Sternhaufen, der aus dem Nebel entstanden ist und ihn heute zum Leuchten anregt.

Für das bloße Auge verschmilzt Webb’s Kreuz mit M21, einem recht jungen offenen Sternhaufen, von dem rund drei Dutzend Sterne aufgelöst werden können. Er hat einen Durchmesser von 13 Bogenminuten und ist etwa 5200 Lichtjahre entfernt.

Der nur 10 000 Lichtjahre entfernte Kugelsternhaufen M22 ist 5,1m hell und zeigt im Großfernglas bereits erste Einzelsterne, bei niedrigerer Vergrößerung bleibt er ein recht heller Nebel. Innerhalb von 24 Bogenminuten oder 75 Lichtjahren befinden sich etwa 500 000 Sterne. Da er von Mitteleuropa aus betrachtet nie besonders hoch über den Horizont steigt, ist er vergleichsweise unbekannt, obwohl er den Vergleich mit dem 24 000 Lichtjahre entfernten M13 nicht zu scheuen braucht. M22 wurde im Jahr 1665 von Abraham Ihle als erster Kugelsternhaufen identifiziert.

Welches Objekt sich wirklich hinter M24 verbirgt, ist bis heute unklar. Häufig wird NGC 6603 mit ihm identifiziert, Messiers Beschreibung passt jedoch besser zu der 1 × 2 Grad großen Kleinen Sternwolke im Schütze. Sie erscheint als großer Nebel mit einer Vielzahl von Sternen und ist auch für das bloße Auge auffällig. M24 erstreckt sich nordöstlich von µ Sagittarii und ist Teil des 12 000 bis 16 000 Lichtjahre entfernten Norma-Spiralarms.

M28 befindet sich nicht ganz ein Grad nördlich des 2,8m hellen λ Sagittarii, der somit gut zur Orientierung genutzt werden kann. Der 19 000 Lichtjahre entfernte Kugelsternhaufen enthält rund 100 000 Sterne und erscheint im Fernglas als 15 Bogenminuten großer und 6,9m heller Lichtfleck, in dem keine Einzelsterne aufgelöst werden können. Seine hellsten Sterne erreichen lediglich 14. Größe.

Im Süden des Schützen, an der Basislinie der „Teekanne“, passen mit M54, M69 und M70 gleich drei Kugelsternhaufen in das Gesichtsfeld eines Fernglases: Nicht ganz 5,5 Grad liegen zwischen M54 und M69. M54 ist der östlichste der Gruppe. Er liegt 1,5 Grad westsüdwestlich des 2,6m hellen ζ Sagittarii und erscheint als 7,6m heller Nebelfleck. Er ist sehr dicht konzentriert und nur neun Bogenminuten groß. Mit einer Entfernung von 85 000 Lichtjahren ist M54 nicht nur der entfernteste Kugelsternhaufen des Messier-Kataloges, sondern befindet sich auch weit außerhalb unserer Galaxis. Er gehört zu der 80 000 Lichtjahre entfernten Sagittarius Dwarf Spheroidal Galaxy, einer Begleitgalaxie unserer Milchstraße, die langsam in unsere Galaxis hineinstürzt. Die Zwerggalaxie hat die Leuchtkraft von 33 Millionen Sonnen, die sich aber auf eine große Fläche verteilt. Daher sind ihre konzentrierteren Kugelsternhaufen leichter zu sehen als die Galaxie, die Fotografien vorbehalten bleibt.

M 69 ist ein nur 33 580 Lichtjahre entfernter Kugelsternhaufen und gehört genau wie M 70 zu unserer Galaxis. M 69 erscheint als 7,5m heller Nebelfleck mit einem Durchmesser von etwa sieben Bogenminuten. Nur vier Bogenminuten vom Zentrum entfernt steht ein 8,0m heller Vordergrundstern, die Sterne des Kugelsternhaufens selbst erreichen lediglich 14. Größe und bleiben Teleskopen vorbehalten. M 69 steht 2,5 Grad nordöstlich von ε Sagittarii.

M70 befindet sich 2,5 Grad östlich von M 69 und bietet einen ähnlichen Anblick, mit 7,9m erscheint er lediglich etwas dunkler und konzentrierter. Er ist mit 35 000 Lichtjahren nur wenig weiter entfernt als M 69, die beiden Kugelsternhaufen bilden also auch räumlich ein Paar.