{"id":411,"date":"2014-04-13T16:46:42","date_gmt":"2014-04-13T14:46:42","guid":{"rendered":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=411"},"modified":"2014-04-23T23:36:21","modified_gmt":"2014-04-23T21:36:21","slug":"grosser-baer-grosser-wagen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=411","title":{"rendered":"Gro\u00dfer B\u00e4r (Gro\u00dfer Wagen)"},"content":{"rendered":"<p>Als Gro\u00dfer Wagen werden genau genommen nur die sieben hellsten Sterne des viel gr\u00f6\u00dferen Sternbildes des Gro\u00dfen B\u00e4ren bezeichnet. Die Sterne des Gro\u00dfen Wagens waren eventuell schon vor 15\u2009000 Jahren zu einem Sternbild zusammengefasst \u2013 zumindest existieren H\u00f6hlenmalereien aus der letzten Eiszeit, in denen man das Sternbild erkennen k\u00f6nnte. Allerdings ist diese Interpretation der Zeichnungen nicht unumstritten. Fast jedes Volk hat seine eigene Deutung f\u00fcr diese auff\u00e4llige Gruppe. Egal, ob Pflug, Casserole, Sch\u00f6pfkelle, Leichenzug oder Hofbeamter samt Bittstellern \u2013 die Namen dieser Sterngruppe sind so vielf\u00e4ltig wie die Kulturen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Sterne eines Sternbildes normalerweise in keiner physikalischen Beziehung miteinander stehen, geh\u00f6ren die meisten Sterne des Wagens zu dem offenen Sternhaufen Collinder 285. Das Sternbild ist zur Orientierung am Himmel sehr hilfreich: Die hinteren Kastensterne zeigen auf den Polarstern, und der Schwung der Deichsel f\u00fchrt quer \u00fcber den Fr\u00fchlingshimmel \u00fcber Arktur im Bootes zu Spica in der Jungfrau.<\/p>\n<p><em><strong>Mizar und Alkor<\/strong><\/em> werden in den Sternkatalogen unter anderem als <em><strong>\u03b6 und 80 Ursae Majoris<\/strong><\/em> gef\u00fchrt und bilden den wohl bekanntesten optischen Doppelstern. Der mittlere Deichselstern des Gro\u00dfen Wagens sollte schon mit dem blo\u00dfen Auge zu trennen sein. In der persischen Armee wurde das 12 Bogenminuten voneinander getrennte Sternpaar daher auch f\u00fcr Sehtests verwendet. Der 78,2 Lichtjahre entfernte Mizar ist mit 2,2<sup>m<\/sup> der hellere Stern, der auch als \u201eReiterlein\u201c bekannte Alkor ist 4,0<sup>m<\/sup> hell und mit 81,2 Lichtjahren nur wenig weiter entfernt als Mizar. Mit drei Lichtjahren betr\u00e4gt der Abstand der Sterne voneinander nur etwas weniger als die Distanz zwischen der Sonne und ihrem n\u00e4chsten Nachbarstern \u03b1 Centauri.<\/p>\n<p>Mizar selbst ist au\u00dferdem ein physischer Doppelstern, dessen 3,9<sup>m<\/sup> heller Begleiter erstmals 1650 beobachtet wurde. Er steht 14,4 Bogensekunden neben Mizar, was 336 AE oder dem neunfachen Abstand zwischen Sonne und Pluto entspricht. Der Stern ben\u00f6tigt vermutlich 20\u2009000 Jahre f\u00fcr einen Umlauf und war der erste in einem Teleskop entdeckte Doppelstern. 1889 wurde Mizar auch zum ersten spektroskopischen Doppelstern, der jemals entdeckt wurde. Alkor ist ebenfalls ein spektroskopischer Doppelstern.<\/p>\n<p>1857 geh\u00f6rte das System zu den ersten Sternen, die fotografiert wurden, und 1925 konnten bei Mizar zum ersten Mal die beiden Komponenten eines spektroskopischen Doppelsterns getrennt werden: Es handelt sich um zwei Sterne mit der 35-fachen Sonnenleuchtkraft, die nur 30 Millionen Kilometer voneinander entfernt sind und sich in 20,5 Tagen umkreisen. Die Beobachtung wurde mit dem 20-Fu\u00df-Interferometer des Mount Wilson durchgef\u00fchrt. Seitdem gab es bei diesem bekannten Sternpaar keine weiteren Premieren mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_412\" aria-describedby=\"caption-attachment-412\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-412\" src=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M40.jpg\" alt=\"M40 ist ein unscheinbarer Doppelstern, der nur in kleinen oder sehr schlechten Ger\u00e4ten als Nebel erscheinen k\u00f6nnte. \" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M40.jpg 400w, http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M40-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-412\" class=\"wp-caption-text\">M40 ist ein unscheinbarer Doppelstern, der nur in kleinen oder sehr schlechten Ger\u00e4ten als Nebel erscheinen k\u00f6nnte.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wieso <strong><em>M40<\/em><\/strong> in Messiers Katalog von Nebelflecken auftaucht, wird wohl ewig ein R\u00e4tsel bleiben: Bereits mit siebenfacher Vergr\u00f6\u00dferung kann man diesen auch als Winnecki 4 bekannten Doppelstern trennen. Ein 9,3<sup>m<\/sup> heller Stern steht 50 Bogensekunden neben einem 9,0<sup>m<\/sup> hellen Hauptstern, das lichtschwache und unauff\u00e4llige Sternpaar befindet sich 17 Bogenminuten nord\u00f6stlich eines 5,5<sup>m<\/sup> hellen Sterns. Allenfalls mit einem schlechten Opernglas wird man es vielleicht als den \u201eNebel \u00fcber dem R\u00fccken\u201c des Gro\u00dfen B\u00e4ren sehen, den Johannes Hevelius 1660 beschrieb.<\/p>\n<p>Das Galaxienpaar <em><strong>M81 und M82<\/strong><\/em> steht im Zentrum einer kleineren Galaxiengruppe \u00e4hnlich unserer Lokalen Gruppe, zu der etwa ein Dutzend Galaxien geh\u00f6rt. Mit einer Entfernung von nur 10 Millionen Lichtjahren ist er der zweitn\u00e4chste Galaxienhaufen, nur der Sculptor-Galaxienhaufen ist uns noch etwas n\u00e4her. M81 ist heute 7,2 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, w\u00e4hrend uns von M82 etwa 18 Millionen Lichtjahre trennen. Vor 200 Millionen Jahren begegneten die beiden Galaxien einander, was vor allem in der massereicheren M82 zu vermehrter Sternentstehung f\u00fchrte.<br \/>\nM81 geh\u00f6rt mit 7,0<sup>m<\/sup> zu den hellsten Spiralgalaxien und ist mit 10\u2009\u00d7\u200918 Bogenminuten fast halb so gro\u00df wie der Mond. Im Fernglas erscheint sie kleiner, aber schon im 10\u2009\u00d7\u200950 kann man den helleren Kern erkennen, der von dem schw\u00e4cheren Halo der Spiralarme umgeben ist.<\/p>\n<p>M82 liegt n\u00f6rdlich von M81. Bereits im 7\u2009\u00d7\u200950 ist ihre unregelm\u00e4\u00dfige, zigarren\u00e4hnliche zu erkennen. Mit 8,4<sup>m<\/sup> ist sie die hellste irregul\u00e4re Galaxie. M82 wird von gro\u00dfen Staubwolken durchzogen, au\u00dferdem entstehen in ihr noch immer viele neue Sterne. Die 55\u2009000 Lichtjahre gro\u00dfe Galaxie ist eventuell eine Spiralgalaxie, auf die wir direkt von der Seite blicken.<\/p>\n<p>Das Galaxienpaar wurde erstmals 1774 von Johann Elert Bode entdeckt und ist leicht zu finden, wenn man eine Linie von \u03b3 zu \u03b1 Ursae Majoris zieht und diese einmal verl\u00e4ngert. Unter optimalen Bedingungen sollen sie sogar mit blo\u00dfem Auge sichtbar sein \u2013 das ist allerdings nur etwas f\u00fcr ge\u00fcbte Beobachter.<\/p>\n<p>Durch einen Irrtum ist die Spiralgalaxie <strong><em>NGC 5457<\/em><\/strong> zweimal im Messier-Katalog aufgef\u00fchrt: Als <em><strong>M101<\/strong><\/em> wurde sie im M\u00e4rz 1781 entdeckt, wenig sp\u00e4ter wurde sie erneut als <strong><em>M102<\/em><\/strong> aufgelistet. Mit 8,7<sup>m<\/sup> ist die 28\u2009\u00d7\u200928 Bogenminuten gro\u00dfe Galaxie das hellste Mitglied einer kleinen Galaxiengruppe, zumindest ihr sieben Bogenminuten gro\u00dfer Kern ist im 10\u2009\u00d7\u200950 mit indirektem Sehen zu erkennen \u2013 kein leichtes Ziel. Durch die gro\u00dfe Ausdehnung ist die 190\u2009000 Lichtjahre gro\u00dfe und 19 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie sehr lichtschwach. Sie liegt nord\u00f6stlich einer kleinen Kette aus Sternen vierter und f\u00fcnfter Gr\u00f6\u00dfe, 5,5 Grad \u00f6stlich von Mizar und Alkor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_413\" aria-describedby=\"caption-attachment-413\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M101.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-413\" src=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M101.jpg\" alt=\"M\u2009101 und M\u2009102 sind h\u00f6chstwahrscheinlich das selbe Objekt: Die Spiralgalaxie NGC 5457.\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M101.jpg 400w, http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M101-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-413\" class=\"wp-caption-text\">M\u2009101 und M\u2009102 sind h\u00f6chstwahrscheinlich das selbe Objekt: Die Spiralgalaxie NGC 5457.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>M108<\/strong><\/em> ist zwar nur 10,1<sup>m<\/sup> hell, trotzdem kann man sie schon im 7\u2009\u00d7\u200950 als sehr d\u00fcnnen Strich ein Grad s\u00fcds\u00fcdwestlich von \u03b2 Ursae Majoris erkennen. Die 8\u2009\u00d7\u20092 Bogenminuten gro\u00dfe Spiralgalaxie zeigt auch auf Fotografien keine zentrale Verdickung, obwohl wir fast genau von der Seite auf das 23 Millionen Lichtjahre entfernte Sternsystem blicken. Wahrscheinlich verbergen Staubwolken das Zentrum. Sie leuchtet 1,7 mal heller als unsere Milchstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Der 80 Lichtjahre entfernte offene Sternhaufen <strong><em>Collinder 285<\/em><\/strong> enth\u00e4lt unter anderem alle Sterne des Gro\u00dfen Wagens mit Ausnahme von \u03b1 und \u03b7. Insgesamt vierzehn seiner Sterne k\u00f6nnen mit blo\u00dfem Auge gut gesehen werden, darunter auch Gemma (\u03b1 in der N\u00f6rdlichen Krone) sowie einige Sterne im Drache und im Kleinen L\u00f6we. Der Sternhaufen wurde \u00fcber die gemeinsame Bewegungsrichtung der Sterne erkannt. Die 18\u2009\u00d7\u200930 Lichtjahre gro\u00dfe Gruppe bewegt sich mit 14\u202fkm\/s in Richtung Sch\u00fctze.<br \/>\nCollinder 285 befindet sich inmitten des Ursa-Major-Stroms, einer Gruppe aus \u00fcber 100 Sternen, die sich gemeinsam durch die Galaxis bewegen. Neben Sirius geh\u00f6ren auch \u03b1 im Schlangentr\u00e4ger, \u03b4 im L\u00f6we und \u03b2 im Fuhrmann zu dem Strom. Unsere Sonne befindet sich wie auch Collinder 285 etwa in seinem Zentrum, geh\u00f6rt aber nicht dazu. Ob eine Beziehung zwischen dem Ursa-Major-Strom und dem Sternhaufen besteht, ist noch nicht gekl\u00e4rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Gro\u00dfer Wagen werden genau genommen nur die sieben hellsten Sterne des viel gr\u00f6\u00dferen Sternbildes des Gro\u00dfen B\u00e4ren bezeichnet. Die Sterne des Gro\u00dfen Wagens waren eventuell schon vor 15\u2009000 Jahren zu einem Sternbild zusammengefasst \u2013 zumindest existieren H\u00f6hlenmalereien aus der letzten Eiszeit, in denen man das Sternbild erkennen k\u00f6nnte. 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