{"id":405,"date":"2014-04-13T16:36:20","date_gmt":"2014-04-13T14:36:20","guid":{"rendered":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=405"},"modified":"2014-04-17T10:14:59","modified_gmt":"2014-04-17T08:14:59","slug":"cepheus","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=405","title":{"rendered":"Cepheus"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl die Konstellation Cepheus aus recht lichtschwachen Sternen besteht, ist seine markante Form gut am Himmel zu erkennen. Neben einer Reihe von Dunkelnebeln liegen gleich drei Sternentstehungsgebiete in diesem Sternbild. Durch die Pr\u00e4zession der Erdachse wird es in den n\u00e4chsten Jahrtausenden bekannter werden: In 2000 Jahren wird \u03b3 Cephei die Rolle des Polarsterns \u00fcbernehmen, und in 7500 Jahren wird der Himmelsnordpol bei \u03b1 Cephei liegen.<\/p>\n<p><em><strong>\u03b4 Cephei<\/strong><\/em> ist der Namensgeber einer wichtigen Klasse von Ver\u00e4nderlichen: Bei den \u03b4-Cepheiden gibt es eine feste Beziehung zwischen der Periodendauer und ihrer absoluten Helligkeit. Wenn die scheinbare Helligkeit und der Zeitraum zwischen zwei Helligkeitsmaxima bekannt sind, lassen sich so seine absolute Helligkeit und somit seine Entfernung bestimmen. Diese Sterne werden daher auch f\u00fcr die Entfernungsbestimmung naher Galaxien genutzt. Bei dem 950 Lichtjahre entfernten \u03b4 Cephei liegen 5 Tage, 8 Stunden und 47 Minuten zwischen zwei Maxima, in diesem Zeitraum schwankt seine Helligkeit zwischen 3,6 und 4,3<sup>m<\/sup> und sein Durchmesser zwischen 32 und 35 Sonnendurchmessern.<\/p>\n<p>Als Doppelstern ist \u03b4 Cephei weniger bekannt. 41 Bogensekunden oder 0,2 Lichtjahre neben dem gelblichen Ver\u00e4nderlichen steht ein 6,1<sup>m<\/sup> heller, bl\u00e4ulich-wei\u00dfer Begleiter. Die beiden Sterne bilden einen weiten physischen Doppelstern, obwohl sich der Anblick seit der Entdeckung durch F. G. W. Struve im Jahr 1835 nicht ver\u00e4ndert hat. Die beiden Sterne lassen sich am besten w\u00e4hrend eines Helligkeitsminiums von \u03b4 Cephei trennen, da sie sich dann nicht \u00fcberstrahlen.<\/p>\n<p><em><strong>\u03bc Cephei<\/strong><\/em> tr\u00e4gt wegen seiner intensiven Rotf\u00e4rbung auch den Namen <strong><em>Herschels Granatstern<\/em><\/strong>: Kein mit blo\u00dfem Auge sichtbarer Stern erscheint r\u00f6ter. Der Grund daf\u00fcr sind riesige Staubwolken zwischen uns und \u03bc Cephei, die das Licht des Sterns au\u00dferdem um 2,5 Gr\u00f6\u00dfenklassen abschw\u00e4chen. Seinen Namen verdankt er William Herschel. Die Helligkeit des 5300 Lichtjahre entfernten Sterns schwankt mit einer Periode von 730 Tagen zwischen 3,4 und 5,1<sup>m<\/sup>, eine weitere Periode erschwert die Helligkeitsvorhersage: Sie dauert zwischen 100 und 4500 Tagen. Genau wie der lichtschw\u00e4chere Betelgeuze (\u03b1 Orionis) ist auch \u03bc Cephei ein \u00dcberriese. Seine Helligkeit entspricht der von 44\u2009000 Sonnen, und sein Durchmesser ist 2000 mal gr\u00f6\u00dfer als der unserer Sonne. Damit w\u00fcrde er \u00fcber die Saturnbahn hinausreichen, wenn er an der Stelle unserer Sonne stehen w\u00fcrde. In einigen alten Katalogen werden auch die Sterne 13 und 14 Cephei als \u03bc Cephei bezeichnet. Zusammen mit IC 1396 weiter im S\u00fcden markiert Herschels Granatstern die Cepheus-OB2-Assoziation.<\/p>\n<p><strong><em>NGC 188<\/em><\/strong> ist einer der \u00e4ltesten bekannten offenen Sternhaufen. Er entstand vor f\u00fcnf bis sieben Milliarden Jahren, sodass nur M67 im Krebs vielleicht noch \u00e4lter ist. Seine Position 200 Lichtjahre oberhalb der galaktischen Scheibe hat ihn wohl vor der Anziehungskraft anderer Sterne gesch\u00fctzt, sodass seine Sterne \u00fcber diesen langen Zeitraum zusammenbleiben konnten. Er besteht aus 200 Sonnen, allerdings erreichen seine hellsten Mitglieder lediglich 10. Gr\u00f6\u00dfe. Auch Teleskope k\u00f6nnen den 15 Bogenminuten gro\u00dfen Sternhaufen daher nur schwer aufl\u00f6sen. Seine Gesamthelligkeit liegt bei 8,1<sup>m<\/sup>, die Fl\u00e4chenhelligkeit ist dementsprechend niedrig. Der 5000 Lichtjahre entfernte NGC 188 befindet sich nur vier Grad neben Polaris \u2013 kein Sternhaufen steht n\u00e4her am Himmelsnordpol als NGC 188.<\/p>\n<p><em><strong>NGC 6939<\/strong><\/em> geh\u00f6rt zu den reichsten Sternhaufen am Nordhimmel, mit einem Durchmesser von nur acht Bogenminuten ist er aber sehr kompakt. Da seine hellsten Sterne nur 12<sup>m<\/sup> hell sind, erscheint er im Fernglas nur als strukturloser, 7,8<sup>m<\/sup> heller Nebelfleck. NGC 6939 ist 4000 Lichtjahre entfernt und steht 800 Lichtjahre \u00fcber der Milchstra\u00dfenebene. Mit 1,6 Milliarden Jahren ist er sehr alt.<\/p>\n<p>Der Emissionsnebel <strong><em>IC 1396<\/em><\/strong> geh\u00f6rt zu den Objekten, die nur selten beobachtet werden: Mit einem Durchmesser von fast drei Grad ist er f\u00fcr die meisten Teleskope viel zu ausgedehnt. In einem 10\u2009\u00d7\u200950 ist er dagegen zumindest mit indirektem Sehen als grauer Schimmer zu erkennen \u2013 wobei Nebelfilter die Sichtbarkeit deutlich erh\u00f6hen, wenn man sie einsetzen kann. Ferngl\u00e4ser mit etwas h\u00f6herer Vergr\u00f6\u00dferung sind im Vorteil, da bei ihnen der Himmelshintergrund dunkler erscheint, Beobachtern in Stadtn\u00e4he wird das Objekt dennoch verborgen bleiben. Der Nebel befindet sich s\u00fcdlich von \u03bc Cephei in einem 1,5 Grad gro\u00dfen Sternenfeld. Er wird vor allem von einem 5,6<sup>m<\/sup> hellen Stern 1,5 Grad s\u00fcds\u00fcdwestlich von \u03bc Cephei zum Leuchten angeregt. Stern und Nebel sind 2500 Lichtjahre entfernt, der Nebel hat also einen Durchmesser von 100\u2009\u00d7\u2009125 Lichtjahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die Konstellation Cepheus aus recht lichtschwachen Sternen besteht, ist seine markante Form gut am Himmel zu erkennen. Neben einer Reihe von Dunkelnebeln liegen gleich drei Sternentstehungsgebiete in diesem Sternbild. 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