{"id":392,"date":"2014-04-13T16:22:03","date_gmt":"2014-04-13T14:22:03","guid":{"rendered":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=392"},"modified":"2014-04-23T01:09:57","modified_gmt":"2014-04-22T23:09:57","slug":"stier","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=392","title":{"rendered":"Stier"},"content":{"rendered":"<p>Als Stier ist dieses Sternbild wahrscheinlich bereits seit 6500 Jahren bekannt. Aldebaran symbolisiert das Auge des Stiers, seine H\u00f6rner enden bei den Sternen \u03b2 und \u03b6 Tauri. \u03b2\u00a0Tauri steht exakt auf der Grenze zum Fuhrmann, wo er als \u03b3 Aurigae bezeichnet wird.<\/p>\n<p><strong><em>T Tauri<\/em><\/strong> befindet sich 1,5 Grad westlich von \u03b5 Tauri oberhalb der Hyaden. Wenn der Stern hell genug ist, kann man ihn recht gut finden, h\u00e4ufig ist er jedoch zu lichtschwach f\u00fcr das Fernglas. Trotzdem ist er einen Blick wert: T\u00a0Tauri ist der Namensgeber einer Klasse von sehr jungen Sternen, bei denen die Kernfusion noch unregelm\u00e4\u00dfig abl\u00e4uft. Seine Helligkeit schwankt unregelm\u00e4\u00dfig zwischen 8,4 und 13,5<sup>m<\/sup>. Er beleuchtet den nur im Teleskop sichtbaren NGC 1555, aus dem er auch entstanden ist. Dieser Nebel ist als \u201eHinds ver\u00e4nderlicher Nebel\u201c bekannt, sowohl seine Form als auch seine Helligkeit \u00e4ndern sich immer wieder.<\/p>\n<p>Im englischen Sprachraum ist <strong><em>M1<\/em><\/strong> als <strong><em>Crab-Nebel<\/em><\/strong> bekannt, im Deutschen wird er eher als <strong><em>Krebsnebel<\/em><\/strong> statt als <strong><em>Krabbennebel<\/em><\/strong> bezeichnet. Im Fernglas ist er ein kleines, 4\u2009\u00d7\u20096 Bogenminuten gro\u00dfes Scheibchen 67 Bogenminuten nordwestlich von \u03b6 Tauri. Es handelt sich um den \u00dcberrest der Supernova, die erstmals am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen beobachtet wurde und mehrere Monate lang sogar am Taghimmel zu beobachten war. Die Gasschichten, die damals abgesto\u00dfen wurden, dehnen sich noch heute mit 1500 Kilometern pro Sekunde aus, der Stern selbst ist zu einem nur zehn Kilometer gro\u00dfen Neutronenstern kollabiert. Dieser Pulsar ist f\u00fcr Radioastronomen das vierthellste Objekt am Radiohimmel.<\/p>\n<p>Die <strong><em>Plejaden<\/em><\/strong> tragen die Katalogbezeichnung <strong><em>M45<\/em><\/strong> und sind einer der eindrucksvollsten Strernhaufen f\u00fcr das Fernglas. Im Volksmund sind sie als Siebengestirn bekannt, was wohl auf alte Zahlenmagie zur\u00fcckgeht: Wenn es dunkel genug ist, um den siebten Plejadenstern zu erkennen, kann man auch den achten erkennen. Bis zu zehn Sterne sind unter guten Bedingungen zu erkennen, erfahrene Beobachter wollen auch schon bis zu 18 Sterne erkannt haben. Gelegentlich wird spekuliert, ob fr\u00fcher einer der Sterne dunkler war und manchmal wirklich nur sieben Sterne zu erkennen waren, allerdings berichten auch alte chinesische Texte von mehr als sieben Sternen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_393\" aria-describedby=\"caption-attachment-393\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M45.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-393\" src=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M45.jpg\" alt=\"Die Plejaden sind ein sehr ausgedehnter Sternhaufen, um den das schwache Schimmern eines Reflexionsnebels erahnbar ist. \" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M45.jpg 400w, http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M45-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-393\" class=\"wp-caption-text\">Die Plejaden sind ein sehr ausgedehnter Sternhaufen, um den das schwache Schimmern eines Reflexionsnebels erahnbar ist.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die neun hellsten Plejadensterne verteilen sich auf ein Gebiet von einem Grad Durchmesser, was dem doppelten Vollmonddurchmesser entspricht. Bei Begegnungen mit dem Mond wird die enorme Ausdehnung der Plejaden deutlich. Der reale Durchmesser d\u00fcrfte bei sieben Lichtjahren liegen, allerdings ist der genaue Abstand der Plejaden nicht bekannt: Der Satellit Hipparcos lieferte eine Entfernung von nur 360 Lichtjahren, neuere Messungen deuten dagegen auf rund 440 Lichtjahre hin, was mit \u00e4lteren Messungen besser \u00fcbereinstimmt. Da auf der Entfernung von Sternhaufen wie den Plejaden auch die Messung ferner Objekte beruht, ist die genaue Entfernung dieses Sternhaufens besonders interessant. Nur drei weitere Sternhaufen sind uns noch n\u00e4her: Collinder 285 (der Gro\u00dfe Wagen, 70 Lichtjahre), die Hyaden (150 Lichtjahre) und der Coma-Sternhaufen (260 Lichtjahre).<\/p>\n<p>Der Gesamtdurchmesser der Plejaden d\u00fcrfte bei 40 Lichtjahren liegen, der 80 bis 100 Millionen Jahre alte Sternhaufen ist also etwa f\u00fcnfmal gr\u00f6\u00dfer als sein auff\u00e4lliger Kernbereich. Etwa 300 Sterne geh\u00f6ren zu den Plejaden. Unter guten Bedingungen kann man rund um die helleren Plejadensterne einen Nebel erkennen. Dabei handelt es sich um einen Reflexionsnebel, den die Plejaden gerade passieren, und nicht um \u00dcberreste des Entstehungsnebels, wie gelegentlich noch in \u00e4lterer Literatur zu lesen ist. Um ihn erfolgreich zu beobachten, ben\u00f6tigen Sie auf jeden Fall eine saubere Optik \u2013 ansonsten sehen Sie um alle helleren Sterne einen leichten Nebel.<\/p>\n<p><strong><em>NGC 1746<\/em><\/strong> hat zwar eine Katalogbezeichnung und ist schon f\u00fcr das blo\u00dfe Auge als 40 Bogenminuten gro\u00dfen Nebelfleck zu erkennen, trotzdem existiert dieser Sternhaufen nicht: Es handelt sich um einen \u201eoptischen Doppelsternhaufen\u201c. Er besteht aus dem 28 Bogenminuten gro\u00dfen NGC 1750 in 1640 Lichtjahren Entfernung und dem acht Bogenminuten gro\u00dfen NGC 1758 in 2200 Lichtjahren Entfernung. Durch reinen Zufall scheinen die beiden Sternhaufen einander zu \u00fcberlappen, obwohl sie genau wie ein optischer Doppelstern nur zuf\u00e4llig auf der selben Blicklinie stehen. Solche Fehler sind in astronomischen Katalogen recht h\u00e4ufig, auch deshalb ist es im Allgemeinen sinnvoller, von Eintr\u00e4gen statt von Objekten in Katalogen zu sprechen.<\/p>\n<p>Mit einem Durchmesser von 5,5\u00b0 sprengen die <strong><em>Hyaden<\/em><\/strong> das Gesichtsfeld jedes Teleskops, im Fernglas f\u00fcllen sie das Bildfeld mit einer Vielzahl von Sternen. Zurzeit ist dieser offene Sternhaufen nur 150 Lichtjahre entfernt, aber bereits in 50 Millionen Jahren wird er nur noch im Teleskop sichtbar sein \u2013 durch die Drehung der Galaxis und die Eigenbewegung der Sterne wird er dann nur noch 20 Bogenminuten gro\u00df erscheinen. Das V-f\u00f6rmige Zentrum hat einen Durchmesser von acht Lichtjahren. Da auch weiter entfernte Sterne wie \u03ba, \u03b9 und \u03c5 zu den Hyaden geh\u00f6ren, liegt der Gesamtdurchmesser bei mehr als 60 Lichtjahren. Die Hyaden entstanden vor 400 bis 700 Millionen Jahren.<\/p>\n<p>Die Hyadensterne scheinen sich alle auf Betelgeuze im Orion zuzubewegen, wobei es sich nat\u00fcrlich um einen Projektionseffekt handelt. Noch etwa 100 weitere Sterne, die f\u00fcr das blo\u00dfe Auge sichtbar sind, bewegen sich in die selbe Richtung wie die Hyadensterne. Sie bilden den Hyadenstrom und haben einen gemeinsamen Ursprung in einer einzigen, ausgedehnten Gaswolke. Das mittlere Alter dieser Sterne liegt bei 600 Millionen Jahren, sodass er seit seiner Entstehung die Galaxis bereits dreimal umrundet hat. Zu den Mitgliedern des Hyadenstroms geh\u00f6rt unter anderem der Sternhaufen M44 im Krebs (die \u201eKrippe\u201c), aber auch Capella im Fuhrmann und Cor Caroli, der hellste Stern im Sternbild Jagdhunde.<\/p>\n<p>Unsere wesentlich \u00e4ltere Sonne befindet sich nur zuf\u00e4llig inmitten der Sterne des Hyadenstroms. Auch Aldebaran (\u03b1\u00a0Tauri) geh\u00f6rt weder zum Hyadenstrom noch zu dem Sternhaufen der Hyaden, obwohl der hellste Stern des Stiers mitten in dem Sternhaufen zu stehen scheint. Es handelt sich stattdessen um einen roten Riesen in nur 65 Lichtjahren Entfernung. Dieser alte Stern hat den vierzigfachen Sonnendurchmesser, seine Position ver\u00e4ndert sich innerhalb eines Jahrtausends um 3,5 Bogenminuten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Stier ist dieses Sternbild wahrscheinlich bereits seit 6500 Jahren bekannt. Aldebaran symbolisiert das Auge des Stiers, seine H\u00f6rner enden bei den Sternen \u03b2 und \u03b6 Tauri. \u03b2\u00a0Tauri steht exakt auf der Grenze zum Fuhrmann, wo er als \u03b3 Aurigae bezeichnet wird. 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