{"id":389,"date":"2014-04-13T16:18:37","date_gmt":"2014-04-13T14:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=389"},"modified":"2014-04-23T00:11:11","modified_gmt":"2014-04-22T22:11:11","slug":"perseus","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=389","title":{"rendered":"Perseus"},"content":{"rendered":"<p>Der Perseus ist zwar kein besonders helles Sternbild, daf\u00fcr liegt er aber in einem interessanten Teil der Milchstra\u00dfe. In ihm sind immer wieder Novae zu beobachten. Zwischen \u03b2 und \u03b4 Persei leuchtete zum Beispiel im Februar 1901 eine Nova auf, die 0,2<sup>m<\/sup> erreichte. Besonders in der Region um \u03b7 Persei k\u00f6nnen Sie mit gut dunkeladaptiertem Auge den Verlauf von Dunkelwolken verfolgen, die das Licht entfernterer Sterne abschw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Rund um \u03b1 Persei befindet sich der Sternhaufen <strong><em>Melotte 20<\/em><\/strong>, der auch als \u03b1-Persei-Moving-Group bekannt ist. \u03b1\u00a0Persei selbst tr\u00e4gt die Namen Mirfak und Algenib. Er ist ein 590 Lichtjahre entfernter Stern. Die \u03b1-Persei-Assoziation umfasst etwa 70 Sterne bis zur zehnten Gr\u00f6\u00dfenklasse, die rund um den hellen Stern verteilt sind. Ein Gebiet mit drei Grad Durchmesser erscheint im Fernglas voller Sterne. Der Zentralbereich von Melotte 20 durchmisst etwa 33 Lichtjahre, die gesamte Gruppe ist rund 550 Lichtjahre entfernt. \u03b1\u00a0Persei ist das hellste Mitglied der etwa 50 Millionen Jahre alten Assoziation.<\/p>\n<p><strong><em>\u03b2 Persei<\/em><\/strong> ist besser bekannt als <strong><em>Algol<\/em><\/strong>, der<strong><em>&#8222;Teufelsstern im Perseus&#8220;<\/em><\/strong>. Das 93 Lichtjahre entfernte Sternsystem ist der wohl bekannteste Bedeckungsver\u00e4nderliche. Alle 2,87 Tage verdeckt der leuchtschw\u00e4chere, aber gr\u00f6\u00dfere Stern seinen helleren und kleineren Begleiter. F\u00fcr zehn Stunden sinkt die Helligkeit dann von 2,1 auf 3,4<sup>m<\/sup> ab. Wenn der gr\u00f6\u00dfere Stern einen halben Umlauf sp\u00e4ter hinter dem helleren Stern steht, kommt es zu einem kleineren Helligkeitsabfall. Obwohl die Helligkeitsschwankungen bereits den arabischen Astronomen bekannt waren, erkannte erst John Goodricke 1782 die Regelm\u00e4\u00dfigkeit der Lichtkurve.<\/p>\n<p>Die hellere Komponente ist ein 4,2 Millionen Kilometer gro\u00dfer Stern mit 3,5 bis 4 Sonnenmassen und der hundertfachen Sonnenleuchtkraft. Der mit einem Durchmesser von 5\u00a0Millionen Kilometer etwas gr\u00f6\u00dferer Begleiter ist nur etwa so hell und massereich wie unsere Sonne. Die beiden Sterne sind nur 10 Millionen Kilometer voneinander getrennt, sodass es zwischen ihnen wahrscheinlich zu einem Austausch von Gasmassen kommt. Die Sterne beleuchten sich au\u00dferdem gegenseitig, sodass sie \u00e4hnlich wie unser Mond Phasen zeigen, die sich auch in der Lichtkurve bemerkbar machen. Zu Algol geh\u00f6rt noch mindestens ein weiterer Stern, in \u00e4lterer Literatur werden sogar f\u00fcnf Sterne zu dem System gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong><em>\u03b6 Persei<\/em><\/strong> befindet sich acht Grad n\u00f6rdlich der Plejaden und markiert das Zentrum der <strong><em>Perseus-II-Assoziation<\/em><\/strong>, der zweiten gro\u00dfen Sternassoziation im Perseus. Sie enth\u00e4lt zwanzig Sterne, die f\u00fcr das blo\u00dfe Auge sichtbar sind, und hat einen Durchmesser von 100 Lichtjahren. Die auch als Perseus OBII bekannte Gruppe ist nur eine Million Jahre alt und enth\u00e4lt viele junge, hei\u00dfe Sterne, die sich mit 12\u00a0km\/s voneinander entfernen. Zu den Mitgliedern der 1000 Lichtjahre entfernten Assoziation geh\u00f6ren auch \u03bf und \u03be Persei. Reste des Entstehungsnebel sind mit indirektem Sehen noch zu erahnen. Am auff\u00e4lligsten ist der <em><strong>California-Nebel NGC 1499<\/strong><\/em>, der im 10\u2009\u00d7\u200950 mit indirektem Sehen zu erkennen ist, wenn er zenitnah steht. Mit 145\u2009\u00d7\u200940 Bogenminuten ist er sehr gro\u00df, daher wurde er erst 1885 von Edward E. Barnard auf Fotografien entdeckt. Nebelfiltern zeigen ihn deutlich besser, in einem normalen Fernglas ist er bestenfalls ein schwieriges Ziel.<\/p>\n<p><strong><em>M34<\/em><\/strong> ist ein offener Sternhaufen aus etwa 80 Sternen zwischen siebter und dreizehnter Gr\u00f6\u00dfe, der unter guten Bedingungen bereits mit blo\u00dfem Auge an der Grenze zur Andromeda zu erkennen ist. Der Sternhaufen ist nur locker konzentriert und mit einem Durchmesser von 35 Bogenminuten etwas gr\u00f6\u00dfer als der Vollmond. Der 1400 Lichtjahre entfernte Haufen hat einen Durchmesser von 15 Lichtjahren. In seinem Zentrum steht eine kleinere Ansammlung von etwa 20 Sternen. Ihr Durchmesser betr\u00e4gt rund vier Lichtjahre, sie w\u00fcrde also ziemlich genau zwischen die Sonne und ihren n\u00e4chsten Nachbarstern, \u03b1\u00a0Centauri, passen.<\/p>\n<p><strong><em>h und \u03c7 Persei (NGC 869, NGC 884)<\/em><\/strong> bilden den bekanntesten und sch\u00f6nsten Doppelsternhaufen. Mit blo\u00dfem Auge erscheinen sie als Nebelfleck, w\u00e4hrend ein Fernglas sie gut aufl\u00f6sen kann. Jeder der beiden mehr als vollmondgro\u00dfen Sternhaufen enth\u00e4lt rund 300 Sterne, sie gehen in die Sterne der 8\u2009\u00d7\u20096 Grad gro\u00dfen Perseus-OB1-Assoziation \u00fcber \u2013 ein beeindruckender Anblick. Die Perseus-OB1-Assoziation ist der Namensgeber f\u00fcr den \u00e4u\u00dferen Nachbarspiralarm unserer Galaxie, den Perseus-Arm.<\/p>\n<figure id=\"attachment_390\" aria-describedby=\"caption-attachment-390\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/h_und_chi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-390\" src=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/h_und_chi.jpg\" alt=\"Der Doppelsternhaufen h und chi Persei geh\u00f6rt zu den Glanzst\u00fccken des Winterhimmels. \" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/h_und_chi.jpg 400w, http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/h_und_chi-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-390\" class=\"wp-caption-text\">Der Doppelsternhaufen h und chi Persei geh\u00f6rt zu den Glanzst\u00fccken des Winterhimmels.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die beiden Sternhaufen haben jeweils einen Durchmesser von rund 60 Lichtjahren und sind 7000 Lichtjahre entfernt \u2013 sie sind also auch in Wirklichkeit Nachbarn. NGC 869 enth\u00e4lt 3900 Sonnenmassen und entstand vor 5,6 Millionen Jahren, w\u00e4hrend NGC 884 mit 3300 Sonnenmassen und einem Alter von nur 3,1 Millionen Jahren kleiner und j\u00fcnger ist. Trotz ihres unterschiedlichen Alters sind sie aus Teilen der selben Gaswolke entstanden. Beide Sternhaufen bestehen vor allem aus blauen Sternen, enthalten aber auch schon einige \u00e4ltere, r\u00f6tliche Sterne.<\/p>\n<p><strong><em>Trumpler 2<\/em><\/strong> ist mit 10\u2009\u00d7\u200920 Bogenminuten deutlich kleiner als der 2,5 Grad nordwestlich gelegene h und \u03c7. Etwa zehn Sterne des 1900 Lichtjahre entfernten offenen Sternhaufens k\u00f6nnen im Fernglas aufgel\u00f6st werden. Sie bilden eine Kette durch das Zentrum des Sternhaufens. Trumpler 2 entstand vor 78 Millionen Jahren und hat einen Durchmesser von 11 Lichtjahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Perseus ist zwar kein besonders helles Sternbild, daf\u00fcr liegt er aber in einem interessanten Teil der Milchstra\u00dfe. In ihm sind immer wieder Novae zu beobachten. Zwischen \u03b2 und \u03b4 Persei leuchtete zum Beispiel im Februar 1901 eine Nova auf, die 0,2m erreichte. 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