{"id":386,"date":"2014-04-13T16:15:03","date_gmt":"2014-04-13T14:15:03","guid":{"rendered":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=386"},"modified":"2014-04-17T10:17:30","modified_gmt":"2014-04-17T08:17:30","slug":"orion","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/?page_id=386","title":{"rendered":"Orion"},"content":{"rendered":"<p>Der Orion ist das auff\u00e4lligste Wintersternbild und als Krieger, Hirte oder Gigant seit Jahrtausenden bekannt. Er wurde unter anderem mit dem \u00e4gyptischen Gott Osiris und dem sumerischen K\u00f6nig Gilgamesch gleichgesetzt. Das Sternbild stellt einen breitschultrigen Mann dar. Die Sterne \u03b4, \u03b6 und \u03b5 werden meist als G\u00fcrtelsterne bezeichnet, die weniger gebr\u00e4uchliche Bezeichnung \u201eJakobsstab\u201c erinnert an ein altes Ger\u00e4t zur Himmelsvermessung. Unterhalb der G\u00fcrtelsterne befinden sich die Sterne des Schwertgeh\u00e4nges, in denen Sie bereits mit blo\u00dfem Auge das Schimmern des gro\u00dfen Orionnebels erkennen k\u00f6nnen. Im Westen des Sternbildes bilden die Sterne \u03c0<sup>1<\/sup> bis \u03c0<sup>6<\/sup> einen weiten Bogen, Orion ist also mit Pfeil und Bogen bewaffnet. In anderen Kulturkreisen wird das auff\u00e4llige Sternbild aber auch als Pflug, Schmetterling oder Boot gedeutet.<\/p>\n<p>Der Orionnebel ist der auff\u00e4lligste Emissionsnebel am Himmel. Er markiert den aktiven Teil eines Sternentstehungsgebietes, das quer durch einen riesigen Gasnebel wandert, der ausgedehnter als das gesamte Sternbild ist. Anhand des Alters der Sterne l\u00e4sst sich der Weg der Sternentstehung nachverfolgen: Rigel (\u03b2\u00a0Orionis) entstand vor zw\u00f6lf Millionen Jahren, die G\u00fcrtelsterne sind etwa acht Millionen Jahre alt und die Sterne des Schwertgeh\u00e4nges entstanden vor etwa sechs Millionen Jahren. Die Sterne in der N\u00e4he des Orionnebels sind nur etwa zwei Millionen Jahre alt.<\/p>\n<p>Die G\u00fcrtelsterne markieren au\u00dferdem ziemlich genau den Himmels\u00e4quator, also die Verl\u00e4ngerung der Ebene des irdischen \u00c4quators.<\/p>\n<p><strong><em>\u03b1 Orionis<\/em><\/strong> wird durch einen Schreibfehler in einem alten Sternatlas vor allem in Deutschland auch als <strong><em>Beteigeuze<\/em><\/strong> bezeichnet, die Schreibweise <strong><em>Betelgeuze<\/em><\/strong> ist \u00e4lter und stammt aus dem Arabischen. \u00dcbersetzt bedeutet er \u201eSchulterstern des Riesen\u201c. Der 430 Lichtjahre entfernte Stern ist ein roter \u00dcberriese mit dem f\u00fcnfhundert- bis achthundertfachen Sonnendurchmesser und der zehnfachen Sonnenmasse. Er ist aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe nicht stabil: Mit einer Periode von etwa 2300 Tagen \u00e4ndert sich nicht nur sein Durchmesser, sondern auch seine Helligkeit. Betelgeuze ist 0,4 bis 1,3<sup>m<\/sup> hell, mangels geeigneter Vergleichssterne l\u00e4sst sich eine Lichtkurve aber nur schwer erstellen. Der Stern ist uns etwas n\u00e4her als die j\u00fcngeren Sterne der Orion-Assoziation, allerdings ist nicht klar, ob er nur sehr fr\u00fch entstanden ist oder v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von den j\u00fcngeren Sternen entstand.<\/p>\n<p>Der 770 Lichtjahre entfernte <strong><em>\u03b2 Orionis (Rigel)<\/em><\/strong> ist mit 0,3<sup>m<\/sup> der siebthellste Stern am Himmel. Wenn dieser 12 Millionen Jahre alte \u00dcberriese nur so weit entfernt w\u00e4re wie Sirius, w\u00e4re er -10m hell, was einem F\u00fcnftel der Helligkeit des Vollmonds entspricht.<\/p>\n<p><strong><em>\u03b4 Orionis<\/em><\/strong> wird auch als <strong><em>Mintaka<\/em><\/strong> (G\u00fcrtel) bezeichnet und ist ein physischer Doppelstern. 52 Bogensekunden liegen zwischen dem 2,2<sup>m<\/sup> hellen Hauptstern und seinem 6,9<sup>m<\/sup> hellen Begleiter. Beide Sterne erscheinen rein wei\u00df. Die zwei Sonnen sind etwa ein drittel Lichtjahr voneinander und rund tausend Lichtjahre von der Erde entfernt. Der hellere Stern ist ein spektroskopischer Doppelstern. Zu dem System geh\u00f6ren noch zwei weitere Mitglieder, die f\u00fcr ein Fernglas jedoch zu lichtschwach sind.<\/p>\n<p>Der <strong><em>gro\u00dfe Orionnebel (M42\/M43)<\/em><\/strong> ist das Paradeobjekt des Winterhimmels und schon f\u00fcr das blo\u00dfe Auge als Nebelfleck im Schwertgeh\u00e4nge des Orion zu erkennen. Trotzdem wurde der 15 bis 30 Lichtjahre gro\u00dfe Emissionsnebel erst 1611 zum ersten Mal beschrieben. Er ist der hellste Bereich eines gigantischen Nebelkomplexes, der sich noch \u00fcber das Sternbild Orion hinaus erstreckt. Der Nebel ist ein aktives Sternentstehungsgebiet und wird durch junge, hei\u00dfe Sterne zum Leuchten angeregt. Die j\u00fcngsten Sterne sind vor 100\u2009000 Jahren entstanden und verraten sich nur durch ihre Infrarotstrahlung. Die Sterne, die wir in den Nebel eingebettet sehen, sind etwa vor einer Million Jahren entstanden. Ihr auff\u00e4lligster Vertreter ist \u03b8 Orionis, der Trapezstern. Ab etwa zw\u00f6lffacher Vergr\u00f6\u00dferung kann man ihn in vier Sterne aufl\u00f6sen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_387\" aria-describedby=\"caption-attachment-387\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M42.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-387\" alt=\"Der Gro\u00dfe Orionnebel (M\u200942\/M\u200943). \" src=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M42.jpg\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M42.jpg 400w, http:\/\/freebook.fernglas-astronomie.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/M42-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-387\" class=\"wp-caption-text\">Der Gro\u00dfe Orionnebel (M\u200942\/M\u200943).<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>M42<\/strong><\/em> ist der gr\u00f6\u00dfere und hellere Bereich des Nebels. <strong><em>M43<\/em><\/strong> ist kleiner und rundlich, er wird meist nicht als separater Nebel wahrgenommen. Der sichtbare Bereich des Orionnebels ist 1300 bis 1900 Lichtjahre entfernt und enth\u00e4lt noch gen\u00fcgend Masse f\u00fcr 10\u2009000 Sterne von der Gr\u00f6\u00dfe unserer Sonne. Der Nebel selbst ist sehr d\u00fcnn, ein Kubikmeter enth\u00e4lt nur etwa eine Milliarde Atome.<\/p>\n<p><strong><em>M78<\/em><\/strong> ist ein nur acht Bogenminuten gro\u00dfer Reflexionsnebel, der einen 9<sup>m<\/sup> hellen Doppelstern umgibt. Dadurch erinnert er an einen schwachen Kometen mit zwei Kernen. Zumindest im 10\u2009\u00d7\u200950 ist er unter guten Bedingungen recht gut zu ersp\u00e4hen und somit einer der wenigen Reflexionsnebel, die in der Reichweite eines Fernglases sind. Er befindet sich 2,5\u00b0 nord\u00f6stlich von \u03b6 Orionis und etwas mehr als 3,5 Grad \u00f6stlich von \u03b4 Orionis. Der Nordrand des Nebels erscheint scharf abgegrenzt, w\u00e4hrend der S\u00fcden langsam und unregelm\u00e4\u00dfig verblasst.<\/p>\n<p><strong><em>Collinder 65<\/em><\/strong> ist ein \u00fcber zwei Grad gro\u00dfer Sternhaufen aus Sternen zwischen sechster und achter Gr\u00f6\u00dfe, der an der Grenze zum Stier liegt \u2013 seine Mitglieder liegen beiderseits der Sternbildgrenze. Durch seine gro\u00dfe Ausdehnung erinnert er eher an ein reiches Sternenfeld als an einen Sternhaufen und ist ein ideales Ziel f\u00fcr das Fernglas.<\/p>\n<p>Rund um \u03bb Orionis erstreckt sich <strong><em>Collinder\u00a069<\/em><\/strong>, ein 1600 Lichtjahre entfernter Sternhaufen, von dem etwa 20 Sterne im Fernglas sichtbar sind. Er hat einen Durchmesser von etwa einem Grad.<br \/>\nZu Collinder 70 geh\u00f6ren unter anderem die G\u00fcrtelsterne des Orion, sodass er leicht zu finden ist. Die Entscheidung, welche Sterne noch zu dem drei Grad gro\u00dfen Sternhaufen geh\u00f6ren, ist jedoch schwerer. Insgesamt enth\u00e4lt er etwa 100 Sterne, die heller als 10<sup>m<\/sup> sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Orion ist das auff\u00e4lligste Wintersternbild und als Krieger, Hirte oder Gigant seit Jahrtausenden bekannt. Er wurde unter anderem mit dem \u00e4gyptischen Gott Osiris und dem sumerischen K\u00f6nig Gilgamesch gleichgesetzt. Das Sternbild stellt einen breitschultrigen Mann dar. 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